Germany’s Next Topmodel - gestellt oder wahr?

Während Germany’s Next Topmodel für dieses Jahr zu Ende gegangen ist, stellt sich zum wiederholten Mal die Frage, wie viel davon wirklich geplant ist.

Die Frage ist, was man eigentlich als „wahr” bezeichnen will, denn dass zumindest die Dialoge der Mädchen nicht gescriptet sind, lässt sich annehmen, wie so etwas klingt weiß man ja aus dem schlechten Nachmittagsprogramm der Privaten.

Allerdings befinden sich die Mädchen nicht nur in Situationen, die sie künstlich unter Druck setzen (was Jorge und die Jury machen, grenzt bei derartig jungen Teens manchmal an Mobbing, nur um die Tränen heraus zu kitzeln), sondern werden von Pro 7 auch gnadenlos editiert, so dass ein Heulkrampf nach 5 Wochen Dauerstress plötzlich so wirkt, wie die übertriebene Reaktion eines verzogenen Görs auf eine Banalität.

Man stelle sich das Material vor, dass die Crew von GNTM tatsächlich zusammen stellt, das alles soll wöchentlich auf ca. anderthalb Stunden Sendematerial zusammen geschnitten werden, wobei es vorwiegend um Drama geht, weniger um das Modeln. Dass da die Streitereien und Überreaktionen vorgezogen werden, ist klar, die harmonischen Momente werden in den Hintergrund gedrängt, ebenso professionelles Verhalten.

Manipulierte Zickereien

Hinzu kommt, dass die Mädchen gezielt in den Backstage-Momenten nach ihren Konkurrentinnen gefragt werden, wer denkt, dass sie im lockeren Gespräch mit dem Kameramann darauf kommen, dass es gerade echt blöd von der Rebecca war, wie sie sich selbst präsentiert hat, der irrt. Vielmehr achten die Produzenten genau darauf, welche Mädchen sich nicht leiden können und befragen sie so zu deren Verhalten, dass möglichst viele Zickereien entstehen. Ähnlich sind die „aufmerksamen Beobachtungen” der Jury zu verstehen, die eingreifen, wenn Anna-Lena ständig vulgär ist oder irgendwer nach Hause möchte. An der mitfühlenden Jury liegt es nicht, dass sie dann auf die Mädchen einreden, vielmehr an einem aufmerksamen Produktionsteam, dass die Dramatik, die Sympathie für die Jury und die Spannung steigern will. Was letzten Endes aus den Kandidatinnen wird, wenn die Kamera wieder weg ist, ist egal.

Verzerrter Modelalltag

Auch die Darstellung des Modellebens ist natürlich weit entfernt von der Realität. Actionshoots in Helikoptern und Unterwasser sind teure Angelegenheiten, die nur bei den ganz großen Kunden und Models unternommen werden, etwas, was die jungen Anwärterinnen für einige Jahre wohl nicht erleben werden. Die Regel sind eben immer noch die simplen Shootings, ohne ständiges Überwinden der menschlichsten Phobien, aber das wäre natürlich langweilig, Woche für Woche hübsche Mädels in mehr oder weniger hübschen Klamotten zu sehen, ohne Panikattacken, ohne erhöhten Puls, ohne künstliche „Erfolgsmomente” in denen Marie-Luise ihre Höhenangst für dieses eine Mal überwindet - letzten Endes umsonst, da sie sowieso nie ins Finale kommt. Nein, das Modelleben ist anders und auch die Art und Weise, wie ein Casting abläuft, denn dass Sihe mit ihrer asiatischen Herkunft bei vorwiegend deutschen Kampagnen kaumChancen hat, ist klar und hat dabei wenig mit ihrer Schüchternheit zu tun.

Die Jury ist so realistisch wie Barbies Körpermaße

Zu guter Letzt ist wohl offensichtlich, dass die Jury das durchweg gestellte Element von Germanys Next Topmodel ist. So witzig und amüsant beispielsweise die Quotenschwulen Jorge und Thomas Rath herüber kommen wollen, liebenswert sind sie nicht, sondern vielmehr die unangefochtenen Zicken der diesjährigen Staffel, die keine Gelegenheit auslassen, um die Kandidatinnen emotional zu verunsichern und herunter zu putzen. Dazwischen muten die peinlich gestellten Dialoge zwischen Rath und Thomas Hayo wie schlechte Sketche im Musikantenstadl an, während Heidi zwar etwas sanfter als in der vorherigen Staffel geworden ist, trotzdem noch wie eine Eiskönigin die Urteile verteilt und so manches Mädel öffentlich blamiert.

Da war doch noch was: Das Ergebnis

Zwar hat der eher mangelnde Erfolg der Gewinnerinnen gezeigt, dass es nicht zwangsläufig etwas Positives ist, bei GNTM zu gewinnen und dass man dann eher zur Pro 7 Moderatorin gezwungen wird, als zu echten Modeschauen und Werbeverträgen, aber dennoch wollen die Mädchen ja gewinnen und kann man davon ausgehen, dass die Kandidatinnen nicht wirklich gleiche Chancen haben und dass die Macher sehr wohl wissen, welchen Typ sie zumindest für die aktuelle Staffel auf dem Siegerpodest sehen wollen. Allerdings kann man auch vermuten, dass sie genau darauf achten, wie welche Mädchen beim Publikum ankommen, so dass besonders kontroverse oder beliebte Mädchen ganz sicher länger im Rennen bleiben, als die unscheinbaren Kandidatinnen. Und ein wenig auffällig ist es auch, dass die bisherigen Kandidatinnen allesamt einem anderen Typ entsprechen. Mysteriös.

Fazit: Ein Script gibt es nicht, zumindest nicht für die Mädchen, aber „wahr” ist wenig an Germany’s Next Topmodel, nur die Knebelverträge für die Gewinnerin, die sind so so echt wie du und ich.


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